Was kommt nach der Eiche?

Juli 22, 2019 | Beitrag von MÖBELMEILE

Manche Trends sind Eintagsfliegen, andere erstaunlich hartnäckig. Das Oberflächenmaterial Eiche gehört in die letztere Kategorie. Seit Jahren ist die Nachfrage nach Eiche für die Gestaltung des Interieurs ungebrochen. Ob sich das ändert? Und wenn ja: Was kommt nach der Eiche?
 

„Der Übergang wird fließend sein.“
Salvatore Figliuzzi

Jede Bewegung hat eine Gegenbewegung. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass in Zukunft Hölzer wie zum Beispiel Hickory, Kastanie oder Kiefer stärker nachgefragt werden. Der Übergang wird fließend sein, am Anfang wird es noch eichenähnlich sein, dann wird die Eiche nach und nach zum Klassiker und gibt Raum für neue Holztrends. Apropos Klassiker, gerade stark im Trend ist Eiche im dunklen Holzton, fast verbrannt. Außerdem glaube ich an den Materialmix. Vor ein paar Jahren waren bestimmte Materialien im Möbeleinstiegs- und Midprice-Segment unerschwinglich. Heute werden die Gestaltungsmöglichkeiten größer, weil das Zusammenspiel von Dekoren und Oberflächen die Materialwelten so authentisch und gleichzeitig für jeden erschwinglich macht.
 

„Alle reden über Europa. Eiche ist das Holz dazu.“
Michael Hilgers

In den frühen 90ern war Buche das angesagte Holz. Man konnte sich seinerzeit kaum vorstellen, dass die gute alte Eiche wiederkommt. Doch Eiche hat es immer parallel gegeben. Mit gutem Grund: Was Farbe und Maserung anbetrifft, liegt sie in der Mitte. Sie passt zu pastellenen Tönen, lässt sich auf interessante Art optisch modifizieren, kann rustikal oder elegant wirken. Sie hat einen angenehmen Retro-Touch. Hinzu kommen die Vorteile in der Verarbeitung und das solide lokale Image: Alle reden über Europa, das ist das Holz dazu. Es wird sicherlich ein Wohnen nach der Eiche geben, aber alle anderen Hölzer können der Eiche nicht das Wasser reichen.
 

„Die Richtung heißt: helles Holz.“
Jenny Feldmann

Bei mir gibt es nicht viel Eiche. Dieser Trend wird eher abgelöst. Längerfristig sehe ich zum Beispiel pulverbeschichtetes Metall und Glas – zum Beispiel bei Couchtischen. Wir leben in einer Welt, in der alles geht. Eiche wird also immer seine Zeiten haben. Doch sie wird in den Hintergrund rücken. Es geht jetzt eher in die Richtung ganz helles Holz, wie es schon mal in den 1990er Jahren Trend war.
 

„Buche ist eine langfristige Alternative.“
Ingrid Obermeier-Osl

Es muss ein Wohnen nach der Eiche geben. Das liegt im Wachstum des Waldes begründet. Eiche ist nicht in den Vorräten vorhanden, wie sie verarbeitet wird. Das liegt auch an den Wachstumszyklen: Buche ist zum Beispiel nach 80 bis 100 Jahren hiebsreif; Eiche erst nach 120 bis 140 Jahren. Durch den hohen Verbrauch steigen die Preise, das ist eine Kostenfrage. Für den Designer, der in die Zukunft blickt und mit Holz arbeitet, wird es eine Grundsatzentscheidung sein, sich nach anderen Holzarten umzusehen. Die Buche ist die langfristige Alternative, die in entsprechenden Mengen vorhanden ist. Und Buche ist in allen Schattierungen möglich: Kernbuche, gedämpfte Buche, helle Buche – damit könnte viel kombiniert werden; auch helles Holz.
 

„Trends werden von der Natur bestimmt.“
Georg Schirmbeck

Wenn Sie heute Eichenholz einschneiden, dann hat vor 150 Jahren jemand entschieden, Eiche zu pflanzen. Auf meinem Hof und im Wald, hat das vor 1000 Jahren meine Familie entschieden. Forstwirtschaftlich ist es also schwierig auf kurzfristige Trends der Möbelindustrie zu reagieren. Trends werden von der Natur bestimmt – und natürlich auch vom Preis: Mal kostet ein Kirschstamm ein paar Tausend Euro, und etwas später ist er nicht mehr Wert als Brennholzqualität. Laubholz wie Buche, Kirsche oder Eiche haben wir eigentlich genug, trotzdem können die Preise steigen, wenn die Nachfrage stark ist. Aber Eiche hat es immer gegeben und es wird sie immer geben.
 

„Es wird vielfältiger.“
Katrin de Louw

Nein. Die Eiche ist in den nächsten Jahren nicht aus der Interior-Landschaft wegzudenken. Aber es wird vielfältiger. Neben Nussbaum, Akazie und Esche wird es sogar ein Wiedersehen mit Ahorn, Buche und anderen hellen Hölzern geben. Die Eiche wird aber noch bleiben, auch aufgrund Ihrer Vielfältigkeit, Qualität und ihres heimischen Ursprungs.