Was kommt neues in Form, Farbe, Material?

Juli 30, 2019 | Beitrag von MÖBELMEILE

Jedes Jahr definiert Pantone eine neue Trendfarbe. „Living Coral“ heißt sie 2019. Aber: Wird diese Überlagerung aus Orange, Rot und Pink tatsächlich Einzug in die Wohnungen halten? Und welche Trends sehen die Experten sonst hinsichtlich der Farben, Formen und Materialwelten?
 

„Das Imperfekte wird Standard.“
Salvatore Figliuzzi

Bei den Farben sehe ich verschiedene Richtungen: Einmal Signalfarben, pudrige Farben und Pastelltöne – mit diesen drei Farbwelten kann man hervorragend spielen und sie in Möbeln kombinieren. Hier sehe ich weitaus mehr Potenzial als bei einer „Farbe des Jahres“, die oft nur Marketingzwecke erfüllt. Bei der Gestaltung wird es weniger die Form sein, die sich ändert, sondern der Weg zur Natürlichkeit. Auch hier kommt der Drang des Menschen zur Gegenbewegung ins Spiel: Wir leben in einer durchdigitalisierten Welt. Deswegen entwickelt sich der Imperfektionismus zum Standard, allerdings industriell. DIY („Do it yourself“) wird industriell gefertigt. So wie es früher Gelsenkirchener Barock gab, wird das Imperfekte jetzt zur massentauglichen Norm.
 

„Trends entstehen nicht, weil sie jemand festlegt.“
Michael Hilgers

Ich tue mich schwer damit, dass ein Unternehmen eine Farbe des Jahres festlegt und wir folgen dann alle blind. Das funktioniert so nicht. Am Ende kauft der Kunde sowieso hauptsächlich Weiß, Anthrazit und Eiche. Das ist einfach so. Es ist zwar toll, dass wir diese große Auswahl haben – gekauft wird am Ende jedoch vor allem bei großvolumigen Möbeln meist die „zeitlose“ Ausführung. Trends entstehen ja nicht, weil es jemand festlegt. Sie entstehen durch kulturelle „Likes“, durch Strömungen. Wenn die Möbelbranche Farbtrends geschickt und ohne großen Aufwand aufnehmen will, dann am besten mit Accessoires und Kleinmöbeln. Kleine Möbelstücke, Regale oder Hocker, können vorproduziert und dann in den Farben der Saison angeboten werden. So gelangen die Unternehmen auch mal auf die Trendseiten in der Publikumspresse. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass verstärkt im Prinzip alles möglich ist. Das minimalistische wird noch minimalistischer, das opulente noch opulenter. Die Mikrotrends spitzen sich immer weiter zu. Ein eindeutiger Trend ist jedoch auf jeden Fall erkennbar: In unsicheren Zeiten haben Re-Editionen von Designklassikern anscheinend Hochkonjunktur.
 

„Wir erleben Gegensätze im Materialmix.“
Jenny Feldmann

Mein Esstisch geht stark in die Richtung der Pantone Trendfarbe. Ich verbinde damit Fröhliches und Knallbuntes – eine Farbe, die immer zu allem passt. Es gibt Rosatöne, die nicht so ganz gut damit wirken, aber eigentlich passen viele Farben dazu. Es ist für mich eine moderne und fröhliche Farbe. Ansonsten sind es Muschelfarben, Senftöne, pastellige Töne, die im Kommen sind. Es kommt mehr Glas und Gradlinigkeit. Ein Mix aus weicher Materialität und dazu klare Brüche in Form von Glas und/oder Metall. Insgesamt werden wir mehr Gegensätze im Materialmix erleben.
 

„Es geht zurück zur Natur.“
Ingrid Obermeier-Osl

Generell lassen sich warme Töne gut mit Holz kombinieren. In die Richtung sollte es gehen. Der Mensch tendiert zum Farbenspiel. Das moderne Design muss mit dem Naturprodukt Holz kombinierbar sein – Farbe kann da eine gute Symbiose bieten. Als neue Form des Materialmixes gibt es außerdem, neben Beton oder Stahl, auch innerhalb den Holzarten einige Kombinationsmöglichkeiten. Das Wohngefühl wird von hellen Tönen unterstützt. Außerdem geht es zurück zur Natur. Heimische, deutsche Hölzer für nachhaltige Naturholzmöbel werden im Trend mit dem Einklang für die Umwelt und die schonende Nutzung unserer Wälder stärker gefragt sein.
 

„Holz soll die Herzen erfreuen.“
Georg Schirmbeck

Für den Waldbesitzer ist die Farbe, die später mit seinem Holz in Verbindung gebracht wird, zweitrangig. Holz soll das Herzen der Menschen erfreuen und wenn es dazu eine passende Farbe gibt, dann ist das schön, aber nicht unsere Aufgabe. Mode und Trends, mal ist es die dunkle, schwere Eiche in Trend, mal geht es ins Helle über. Als Waldbesitzer sage ich: Wenn einer kommt und was Besonderes will, dann haben wir was. Für uns ist es nicht entscheidend, welche Farbe das Holz hat – uns interessiert am Ende der Preis. Wir haben im Wald alles stehen, was der Designer und Möbeldesigner braucht. Und über allem steht bei Holz natürlich immer der Oberbegriff: Zurück zur Natur und das Herz muss sich daran erfreuen.
 

„Wir wollen keine modischen Möbel.“
Katrin de Louw

Living Coral ist keine Farbe, die auf größeren Flächen im Interior auftauchen wird. Vor allem, weil sie nicht gut mit Hölzern kombiniert werden kann, besonders nicht zur naturfarbenen Eiche. Für Accessoires wie Kissen kann sie vielleicht funktionieren. Ich halte die Diskussion über Trendfarben für nicht so wichtig. In dem Farbverbund ColorNetWork, das ich ins Leben gerufen habe, geht es um Umweltfreundlichkeit und darum Farben zu entwickeln, die Architekten, Inneneinrichter und die Industrie in Ihrer Kombination flexibel machen. Nicht Knallfarben sind gefragt, sondern ruhige Farben, die lange schön bleiben und sich in neue Räume einfügen. Wir wollen keine modischen Möbel. Ansonsten wollen wir einiges: Mehr Rundungen, mehr Haptik, mehr Holz! Mehr dunkle Nuancen und mehr Naturfarben, auch Blautöne.