Alexandra Flohs im Interview

Beitrag von MÖBELMEILE

Man sagt ja, dass beim Klempner meistens der Wasserhahn tropft. Aber wie ist es bei einer Einrichtungsberaterin? Beruflich verhilft Alexandra anderen zu ihrem Traum-Zuhause. „Meine beste Entscheidung“ nennt sie diese Berufswahl. Aber wie hält sie es privat mit der Wohlfühlumgebung?
 

Alexandra Flohs

Die 44-Jährige hat es aus der Eifel nach Köln verschlagen. Alexandra ist schon mehrfach umgezogen, doch es gibt Konstanten: Ein Küchenschrank der Großeltern und ein Eames Chair sorgen für „die Beständigkeit im Wandel“.

Zuhause bedeutet für jeden etwas anderes. Was bedeutet der Begriff für Sie?
Ich würde das in zwei Aspekte aufteilen: einmal in einen Ort und einmal in ein Gefühl. Der Ort ist ja die Wohnung, in der man lebt. Es kann aber auch ein Apartment im Urlaub sein, wenn das Gefühl stimmt. Das beginnt schon bei der Kommunikation. Im Urlaub ist man ja oft den ganzen Tag unterwegs und dann heißt es: „Gehen wir jetzt nach Hause?“ Das Gefühl muss also stimmen. Mir sind Sicherheit, Ruhe, Rückzug und Geborgenheit wichtig. Und auch Möglichkeiten. Ich brauche die Freiheit, in der Wohnung Veränderungen vorzunehmen. Das ist für mich der Anspruch an mein Zuhause als den Ort.

Was macht ein Zuhause für Sie persönlich aus?
Für mich persönlich ist es so, dass mein Zuhause mich zur Ruhe kommen lassen muss, dass ich mich fallen lassen kann, dass ich keine Ecken oder Punkte habe, an denen ich mich immer wieder reibe. Mein Zuhause ist daher sehr flexibel: Es gibt kein Möbel, das nicht verschiebbar ist, kein Möbel ist an der Wand montiert. Alles muss wandelbar sein, sodass es zum alltäglichen Leben passt, sich aber auch schnell in eine „Festhalle“ umbauen lässt, wo mehrere Menschen eine gute Zeit zusammen haben können.

Sind Ihnen Möbel für das Zuhause wichtig?
Sehr wichtig. Eine Wohnung ohne Möbel ist wie ein Blatt Papier ohne Aufdruck. In meiner Welt ist es so, dass die Möbel und die Einrichtung die Handschrift darstellen und eine persönlich eingerichtete Wohnung wie ein handgeschriebener Lebenslauf ist. Man sieht an den Möbeln, wer dort lebt, und deshalb sind Möbel auch so wichtig.

Alexandra Flohs` Lieblingsmöbel: Designklassiker trifft auf Familienerbstück.

Was prägt denn Ihren „handgeschriebenen Lebenslauf“?
Bei mir sind es zwei Möbelstücke. Und die spiegeln im Grunde genau meinen Charakter wider. Das eine ist ein Eames-Chair-Schaukelstuhl, aus einer Vitra-Sonderedition. Dieses Design dahinter, welches aus den 50er-Jahren stammt, bewundere ich, denn es hält sich so lange und begeistert auch heute noch. Das andere Möbelstück ist ein alter Küchenschrank meiner Großeltern. Der ist auch bereits 65 Jahre alt und hat sehr viel Geschichte in sich, vor allem private Geschichte. Und er ist unfassbar praktisch.

Trotz dieser Konstanten hat sich Ihr Zuhause in den letzten 25 Jahren verändert?
Vor 25 Jahren habe ich in einem möblierten WG-Zimmer auf 20 m² gewohnt. Das Einzige, was ich selbst mitgebracht habe, war Bettwäsche von Christian Fischbacher. Die habe ich witzigerweise heute noch und ich liebe sie noch immer. Dieses Zimmer war vor allem ein Ort zum Lernen und zum Schlafen. Außerdem war meine Vorstellung von Zuhause damals auch anders. Man war jünger und hatte nicht so dieses Bedürfnis nach Ruhe und Sicherheit. Der Cocooning-Effekt war damals zwar schon Thema für mich, aber gelebt habe ich ihn nicht. Das ist heute anders. Heute ist die Wohnung einfach mein Ort. Ich weiß, wie schön es ist, ein eigenes Zuhause zu haben. Dementsprechend haben sich für mich Wertschätzung und Dankbarkeit für mein Zuhause erhöht. Ich öffne die Tür, lege die Schlüssel ab, schalte die Lampen an und dann bin ich da, dann bin ich angekommen.